Das Ende einer Dominokette
Die alte Schachtel mit den Dominosteinen vom Speicher - ein wenig abgegriffen. Viel faszinierender als das Spiel selbst ist es ja immer wieder, die Steine auf ihren wackligen Kanten in Reih und Glied aufzustellen und sie am Ende mit einem Anstossen alle zum Umfallen zu bringen. Freilich, manchmal fällt die Reihe auch schon, bevor sie ganz aufgebaut ist. Ein anderes Mal steht der eine oder andere Stein schief und der Effekt endet auf halber Strecke.
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El Niño beobachten die Menschen seit vielen Jahrhunderten - sozusagen als das Ende einer Dominokette, deren letzter Stein - ihr gewohntes Klima - plötzlich sprichwörtlich "umkippte". Natürlich ist hier wie beim Domino keine Wirkung ohne Ursache. Die Glieder der Kette vorher aber lagen für die Menschen im Dunkeln und waren unergründlich. |
Bevor wir aber in das Halbdunkel des Vorhergehenden eindringen ... Wie sieht denn nun der letzte Stein der Kette, der viel diskutierte El Niño aus? Was geschieht konkret, wenn über dem Pazifik das Christkind kommt?
Die folgende Grafik zeigt uns Temperaturanomalien der Wasseroberfläche während eines El Niño Ereignisses im Dezember 1997. Rot bedeutet hier also nicht, wie warm das Wasser absolut ist, sondern um wieviel wärmer es ist als normal. Je intensiver das Blau dagegen, desto kälter ist es gegenüber dem Normalzustand. Am augenfälligsten ist die extreme Änderung in einem äquatornahen Band vor Südamerika, die direkt vor Peru zu einer um 3-5 °C erwärmten Meeresoberfläche führt.

Quelle: NCEP
Diese Grafik ist in mit deutschem Begleittext von Herrn Dr. Mojib Latif auch abrufbar auf den Seiten des Deutschen Klimarechenzentrums DKRZ in Hamburg. zur DKRZ-Seite
Eine Gegenüberstellung der Absolutwerte der Temperatur an der Wasseroberfläche während eines El Niños, für Normalbedingungen und während des oft nach einem El Niño folgenden gegenteiligen Effektes (Verstärkung des Temperaturgefälles von west nach ost - auch La Niña genannt) findet man auf den Seiten der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration - USA).
Erinnern wir uns, dass sonst ein Temperaturgefälle von Westen (Indonesien = warm) nach Osten (Peru = kalt) besteht. Offenbar ist also dort, wo kaltes Tiefenwasser an die Oberfläche kam, dieser Effekt aufgehoben oder umgeschlagen. Dort, wohin der Passat vorher die Wärme trieb, ist es abgekühlt. Mit der Walker-Zirkulation, dem Kreislauf über dem Pazifik, stimmt etwas nicht mehr. Was ist geschehen?
Schauen wir zurück auf die Grafik der typischen Witterung im Pazifik und vergleichen nun, was sich bei einem El Niño Ereignis geändert hat.
zur Verfügung gestellt von Mojib Latif |
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Die Grenzschicht zwischen warmem und kaltem Wasser läuft nicht mehr schräg zur Meeresoberfläche, sondern fast parallel. Das kalte nährstoffreiche Tiefenwasser, das den Fischen vor Peru die Nahrung lieferte, ist von einer starken Schicht warmen Wassers überdeckt. Die Fische weichen in andere Regionen aus und die Küstenfischer werden ein mageres Jahr haben.
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Ganz ungewohnte Niederschläge fallen über der sonst sehr trockenen wüstenartigen Küstenregion auf der Westseite der Anden. Hier kommt es zu einem Aufblühen der Vegetation, oft zu Überschwemmungen. Auf der anderen Seite des Ozeans hingegen bleibt die gewohnte Feuchtluft aus. Der Hauptniederschlag fällt über dem Pazifik statt über dem Land. Es ist viel trockener als sonst. Die Bauern, die ihren Anbau auf ein regenreiches Klima ausgerichtet haben, werden schlechte Ernten einfahren. Wie sich das in Zahlen auswirkt, sehen wir in einem späteren Kapitel.
Zunächst noch ein Blick auf die vereinfachte Darstellung der Walker Zirkulation bei normalen Bedingungen und im Fall eines El Niño Ereignisses.
![]() Quelle: El Niño Bildungszentrum Markdorf |
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Die Grafik gibt etwas übersteigert die Umkehrung der Verhältnisse wieder. Der Windschub in Richtung der Anden im Falle eines El Niño ist nicht mit der Stärke der Passatwinde zu vergleichen. Andere Quellen sprechen vorsichtiger von einer Abschwächung der Passate während El Niño.
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An dieser Stelle sollen die miteinander verflochten Kreisläufe von Wind und Meeresströmungen nicht im Detail diskutiert werden. Wichtig zu wissen ist aber: El Niño reicht weit über die Küste Perus auf der einen und Indonesiens auf der anderen Seite hinaus, wie die Anomaliekarte oben schon erahnen lässt. Ein Umschlag in einem solch gigantischen Kreislauf wie dem über dem größten der Ozeane ist mit anderen Mechanismen verknüpft, die die Witterung in vielen Regionen der Erde beeinflussen. Hier wärmer, dort Regen, hier kühler, dort Trockenheit. Die folgende Karte gibt einen Überblick darüber, welche Folgen El Niño in welchen Regionen auf dem Erdball hat (oberer Teil: Winter auf der Nordhalbkugel = Sommer auf der Südhalbkugel, unterer Teil:. Sommer auf der Nordhalbkugel = Winter auf der Südhalbkugel; blau = feuchter, orange = trockener, rot = wärmer).
![]() Quelle: NOAA |
Winter auf der Nordhalbkugel:
Weiten Gebieten Nordamerikas wird ein milder Winter beschert, während gleichzeitig auf der Südhalbkugel Südbrasilien und Argentinien einen regenreichen Sommer erlebt, wie überhaupt ungewöhnlich hohe Niederschlagsmengen über Südamerika niedergehen - mit Ausnahme des Nordostens. Nordaustralien und Südostasien dagegen erleben ebenso eine Trockenperiode wie Südostafrika einen sommerliche Dürre. Der Regen aber, der sonst dem äquatornahen Teilen Asiens zugute kommt, geht überwiegend über dem Pazifik nieder. Sommer auf der Nordhalbkugel: Die Klimaanomalien beschränken sich überwiegend auf die Äquatorregion. Markantestes Kennzeichen bleibt die Verschiebung des Niederschlagsgebietes auf den Pazifik und die hieraus resultierende Trockenheit über Südasien und Australien. Von Bedeutung ist auch der fast unauffällig kleine Fleck über Indien. Er bedeutet verminderten Monsunregen für Indien - ein wichtiger Faktor für die Ernährungssicherung des Milliardenvolkes. |
Wir sehen, dass El Niño so einiges durcheinanderwirbelt im Weltklima und es von grossem Interesse ist, sagen zu können, wann ein El Niño Ereignis auftritt. Zwangsläufig stellt sich da die Frage:
Wie oft tritt El Niño auf? - nicht ganz regelmässig, dies sei vorweggenommen. Mehr erfahren wir im nächsten Kapitel.
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