El Niño / Southern Oscillation

Meeresströmungen im Pazifik

über die Ursachen von El Niño


Alles ist im Fluss

Wer mit dem Flugzeug über die Ozeane fliegt und die riesigen Weiten von Wasser sieht, macht sich wahrscheinlich kaum Gedanken darum, was hier in welche Richtung fliesst und ob überhaupt etwas fliesst. Der Wind sorgt für ein Auf und ab der Wellen, aber insgesamt scheint die Wasserfläche doch recht statisch. Doch lassen die Drehung der Erde, die stärkere oder schwächere Sonneneinstrahlung und die hierdurch erzeugten Winde auch die Weltmeere nicht ungerührt. Gerührt wird tatsächlich im grossen Teich. Die folgende Abbildung gibt einen vereinfachten Überblick über wesentliche Strömungen in den Ozeanen.


Quelle: nach W. Broecker, modifiziert E. Maier-Reimer

Richten wir unseren Blick auf den Pazifik, so fällt neben einer kalten Tiefenströmung (violett) die warme Oberflächenströmung am Äquator auf, die vom amerikanischen Kontinent weg und auf Australien und Ozeanen zu führt. Hier treiben die Passatwinde, von Nordosten und Südosten her wehend die Wassermassen ingesamt in westliche Richtung und erwärmen dabei die Meeresoberfläche.

Feuchte warme Luft treibt über den Ozean und führt in den tropischen Gebieten Nordaustraliens, Indonesiens und Südostasiens zu Regenfällen. Auch auf den Monsunregen hat diese Strömung Einfluss. Hier wirkt sie mit anderen Zirkulationen über Afrika und dem indischen Ozean zusammen. Wie das genaue Zusammenspiel erfolgt, wird derzeitig noch erforscht. Während der Wind das Wasser von der südamerikanischen Küste wegtreibt, muss gleichzeitig irgendwoher Nachschub kommen. Zu einem guten Teil wird hier kaltes Wasser aus der Tiefe nachgeliefert. Da kaltes Wasser nährstoffreicher ist als warmes, lebt von diesem hochstrebenden Tiefenwasser ein reicher Fischbestand vor der Küste Perus.
zur Verfügung gestellt von Mojib Latif


Die Pazifische Windmaschine

führt also zu einer gigantischen Zirkulation über dem Ozean. Sie bringt der Westküste Südamerikas relative Trockenheit und kaltes Wasser aus der Tiefe, das die Fische ernährt. Nach Indonesien und gegen die Ostküsten Australiens und Südostasiens wird warme feucht Luft gelenkt, die sich in Form von Regen von ihrer Last befreit und dann in der Höhe wieder zurückfliesst. Nach ihrem Entdecker wird dieser Kreislauf auch Walker-Zirkulation genannt. Die folgende Grafik gibt das Geschehen in vereinfachter Darstellung wieder.



Quelle: Diplomarbeit Horst Merseburger / Universität Salzburg

Der Schub der Passatwinde sorgt also im Ozean dafür, dass sich unter normalen Bedingungen ein Gefälle aufbaut von kaltem Tiefenwasser, das vor Südamerika nahe an die Oberfläche kommt, vor Indonesien aber von den warmen Wassermassen weit in die Tiefe gedrängt wird. Die Grenzschicht zwischen kalten und warmen Schichten bezeichnet man als Thermokline. Auf diese Bedingungen hat sich die Bevölkerung eingestellt und an diesen klimatischen Bedingungen ihre Lebensweise und die landwirtschaftliche Produktion ausgerichtet. Aufgrund des Ausmasses der Walker-Zirkulation reicht sie aber im Zusammenspiel mit anderen Kreisläufen noch weit über die äquatornahe Pazifikküste hinaus. Ergibt sich hier eine Änderung, so kommt es zu Abweichungen von der normalen Witterung in vielen Gebieten der Erde.

Wie diese Abweichungen aussehen, schauen wir uns im Kapitel "Hier wärmer, dort Regen - Was ändert sich wo?" an.

zurück zur Hauptseite Deutschland