Bildung Wie entsteht eine Wolke? |
| Feuchtigkeit - die Theorie |
Nehmen wir einen Behälter gefüllt mit trockener Luft an, in den wir über das Ventil z.B. eines Hochdruckdampfkessels Wasser einleiten können. Wenn wir mehr und mehr Dampf hineinlassen, werden wir feststellen, dass sich auf einmal winzige Tröpfchen an den Wänden bilden und der Behälter feucht wird. Geschieht dies, so sprechen wir davon, dass die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt ist, sie also nicht mehr Wasserdampf aufzunehmen vermag. Folglich muss das zusätzlich eingebrachte Wasser sich als Feuchtigkeit an der Wand niederschlagen oder in Tropfen kondensieren. Die Wasserdampfkonzentration an diesem Sättigungspunkt nennen wir r sat.
Wir führen nun dasselbe Experiment nochmals durch, allerdings bei einer anderen Temperatur. Wir werden beobachten, dass die Luft umso mehr Wasserdampf aufnehmen kann, je höher die Temperatur ist. Ist es kälter, so erfolgt die Sättigung und damit die Kondensation bereits bei einer geringeren Zugabe von Wasserdampf.
Anders ausgedrückt: r sat (hohe Temp.) > r sat (niedrige Temp.)
Erreichen wir die Sättigung in unserem Experiment, dann beträgt die relative Luftfeuchte** RH (relative humidity) 100%. Solange die Sättigung noch nicht erreicht ist, ist die relative Luftfeuchte kleiner als 100%. Beim Erreichen der 100% formen sich in unserem Experiment Tröpfchen; in der Atmosphäre würde eine Wolke gebildet.

Bildquelle: ESPERE - eu
Anschaulich: DAS WASSERDAMPF EXPERIMENT In der Abbildung ist der Versuch vereinfacht dargestellt. Aus dem Dampfkessel (grün) lassen wir Wasserdampf in eine Kammer mit trockener Luft (schwarz). Wir nehmen nun an, wir könnten die Milliarden von Molekülen (blaue Punkte) zählen und betrachten nur wenige stellvertretend für alle. a) Die maximale Konzentration bis zur Sättigung seien 50 Moleküle (max = r sat). Nach der Zugabe der ersten 25 beträgt die relative Luftfeuchte RH = 50%. Wir geben aber noch mehr zu. Wenn die 50 überschritten sind (RH > 100%) bilden sich Tröpfchen aus mehreren Molekülen an der Wand.
b) Nun aber heizen wir die Kammer (rot dargestellt). Hierdurch steigt die Fähigkeit der Luft, Wassermoleküle aufzunehmen auf 90 (max = r sat). Die schon an der Wand gebildeten Tröpfchen verdunsten wieder. c) Statt aber nun noch mehr aufzuheizen, kühlen wir die Kammer stark ab - unter die Anfangstemperatur (hellblau dargestellt). Jetzt kann die kalte Luft nur noch 30 Moleküle aufnehmen. Die Luft ist mit 95 Molekülen völlig übersättigt. Das Wasser kondensiert aus und bildet auf dem Kammerboden einen kleinen See. Es hat sozusagen geregnet.
(**) Relative Luftfeuchte
Um den Wasserdampfgehalt der Luft zu definieren, wird die Größe 'Relative Luftfeuchte' eingeführt. Die relative Luftfeuchte RH ist das Verhältnis (in %) zwischen der aktuellen Wasserdampfkonzentration und r und der Sättigungskonzentration r sat.
Wenn RH=100% Gleichgewicht zwischen Kondensation und Verdampfung. Wenn RH<100% Die Luft kannn noch Feuchte aufnehmen, die Verdampfung dominiert. Wenn RH>100% Die Luft ist übersättigt, Kondensation dominiert.
Achtung!
Wie der Name sagt, ist die relative Luftfeuchte ein relativer Wert. Kühlt man die Luft bei gleichem Wasserdampfgehalt r um 10°C ab, so steigt die relative Luftfeuchte RH, da die Sättigungskonzentration r sat sinkt. RH ist also temperaturabhänging und kein Maß für die Konzentration des Wassers in g/cm3 Luft.
|
Wir haben nun festgestellt, dass es möglich ist, eine Wolke zu bilden, indem wir mehr und mehr Wasserdampf in die Luft einbringen. Aber - als aufmerksame Leser werden wir auch gemerkt haben, dass wir ebenso eine Wolke bilden können, indem wir warme Luft solange abkühlen, bis sie ihre Feuchte nicht mehr zu halten vermag, da RH über 100% gestiegen ist. Und dies, obwohl wir gar keinen Wasserdampf mehr zugefügt haben.
| Wolkenbildung in der Natur |
Für beide Wege der Wolkenbildung gibt es Beispiele in der Atmosphäre.
- Einbringen von Wasser in die Luft: z.B. warmer Atem in kalter Luft, Kondenzstreifen von Flugzeugen
- Abkühlen der Luftmassen: Nebel nahe dem kalten Grund in Herbst und Winter
Im allgemeinen bemüht die Natur zur Wolkenbildung zweiteren Prozeß, indem sie Luftmassen in die Höhe treibt und damit in kältere Regionen. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten.
Konvektion:
Die Erwärmung des Bodens (insbesondere durch Sonnenstrahlen im Verlauf des Morgens) erwärmt die darüberliegende Luft. Hierdurch nimmt ihre Dichte ab und sie steigt hoch. Auch wenn sie sich dabei durch ihre Ausdehnung abkühlt, ist sie immer noch wärmer und leichter als die umgebende Luft, so dass sich Abkühlung und Aufsteigen der Luftmasse fortsetzen.
Orographie:
[Orographie ist die Beschreibung des Bodenreliefs einer Landschaft. Die Orographie beschreibt, wie die Landschaft durch Berge, Ebenen, Hügel, Wälder, etc. gestaltet ist.]
Wichtig ist vor allem der Auftrieb an der dem Wind zugewandten Seite der Berge:
 Bildquelle: ESPERE - eu
Animation: Die durch diesen Auftrieb verursachte Wolkenbildung führt im Gebirge oft zu Gewittern, nachdem z.B. an warmen Sommertagen genug Feuchte den Hang hochgestiegen ist.
Fronten
Die Ursache eines Luftmassenauftriebes kann auch unsichtbar sein, nämlich eine andere Luftmasse, die kälter oder wärmer ist. Die Grenzfläche zwischen solchen Luftmassen wird als Front bezeichnet und ist uns aus dem Wetterbericht bekannt. Man kennt sie z.B. von Tiefdruckgebieten.
Im Falle einer Warmfront bleibt die kalte Luft am Boden liegen. Die warme Luftmasse gleitet auf sie auf wie auf eine Rampe und steigt in die Höhe. Eine Kaltfront drückt die warme Luft vor sich her bis sie nach oben ausweicht. In beiden Fällen bilden sich Wolken durch aufsteigende Warmluft.
Warmfront:

Kaltfront:

Bildquelle: WW2010 of University of Illinois
Aerosole dienen als Wolkenkondensationskeime.
In den letzten Abschnitten haben wir diskutiert, welche Bedingungen erforderlich sind, um Kondensation hervorzurufen. Um allerdings diese Kondensation tatsächlich zu erreichen, bedarf es der Bildung von Wassertropfen und ihres Wachstums durch zu ihnen diffundierenden Wasserdampf. Zu Beginn der Tropfenbildung stoßen zwei oder drei Wassermoleküle zusammen und sollten einen kleinen Cluster (Verbund von Molekülen) bilden.
 |
Beobachten wir nun ein Luftpaket quasi mit dem Mikroskop beim Aufsteigen in der Atmosphäre und führen den Dampfkammerversuch in der Luft durch. Wir tun wieder so, als könnten wir die Moleküle zählen und wählen 60 Stück für unser Paket. In der Luftsäule ist aufgetragen, wieviele Wassermoleküle die Luft aufnehmen kann. Je höher das Paket steigt, desto kälter wird es, desto kleiner r sat. Und wir sehen ...
... dass wir nichts sehen.
Was ist jetzt los? Keine Kondensation?
|
Tatsächlich stimmt das hier gezeigte mit der Theorie überein. Nach der Bildung eines kleinen Molekülverbundes sollten andere Wassermoleküle aufwachsen und ein Tröpfchen von vielleicht 1 µm Größe formen. Nun kann man aber zeigen, dass ein enormer Druck notwendig wäre, um eine Handvoll Wassermoleküle beeinander zu halten. Um diesen Druck ausüben zu können, der die Moleküle zur Kondensation zwingt, ist eine realtive Feuchte von mehreren 100% nötig. Tatsächlich würden wir also ganz oben anstelle der 60 Moleküle immer noch etwa 150 bis 200 brauchen, damit es zur spontanen Kondensation käme.
Aber: Solche Luftfeuchte-Werte von 500 oder 600% sind nie beobachtet worden, sondern nur wenig über 100% RH. Dennoch beobachten wir Wolken. Ein Fehler in der Theorie? Oder fehlt noch etwas?
Es fehlt in der Tat eine Oberfläche (wie z.B. die Kammerwand im Dampfkesselversuch). Die Antwort ist: In der Atmosphäre sind Aerosolpartikel vorhanden, kleine feste Partikel wie z.B. Staub oder Salze (besonders Sulfat). Diese Partikel bieten bereits die große Oberfläche, die das Wasser selbst nicht ohne hohe Übersättigung formen kann. Manche von ihnen haben eine hohe Neigung, Wasser aufzunehmen und dienen als Kondensationsorte. Sie werden im Falle der Tröpfchenbildung Wolkenkondensationskeime genannt. Entstehen an ihnen Eiskristalle, so heissen sie Eisbildungskeime. Der mikrophysikalische Prozess, den wir beobachten wird heterogene Nukleation genannt. (griech: hetero-gen = aus Verschiedenem erzeugt, nucleus = Kern, Keim)
 |
Beobachten wir nun dasselbe Luftpaket mit Aerosolen (braun). Sie bieten die Oberfläche, an der die Wassermoleküle kondensieren und kleine Tropfen bilden, wenn die Sättigung erreicht ist.
Theorie und Beobachtung stimmen wieder überein!
|
| Die Wolke - ein chemischer Reaktor |
Ein große Zahl an Gasen, festen und flüssigen Partikeln sind in der Luft. Ein großer Teil der Partikel werden in die kondensierten Tröpfchen der Wolkenkondensationskeime oder Eisbildungskeime eingeschlossen. Aerosolpartikel können auch aus der Luft durch Zusammenstoss mit Tröpfchen oder Kristallen entfernt werden. Zudem sind viele Gase wasserlöslich und dringen in die kondensierte Phase der Wolke ein.
Daher können Wolken über diese drei Mechanismen (Einchluß, Zusammenstoß, Diffusion) eine Menge Substanzen / Verunreinigungen einfangen. Zahlreiche chemische Reaktionen finden statt. Wenn es regnet, werden diese Chemikalien aus der Luft gewaschen. Verdampft die Wolke wieder - und dies tun etwa 90% aller Wolken - so bleiben die Chemikalien eventuell in umgewandelter Form in der Luft. Ohne auf die Vielzahl der Reaktionen einzugehen, können wir uns Wolken daher auch als einen chemischen Reaktor vorstellen, in dem das Wasser als atmosphärisches Lösungsmittel eine große Rolle spielt.
|
Wir fassen zusammen:
Wolken bilden sich, wenn die relative Feuchte in der Luft 100% übersteigt. Eine leichte Übersättigung reicht deshalb aus, weil die Kondensation an der Oberfläche von Aerosolpartikeln erfolgt, die in der Luft allgegenwärtig sind. In den meisten Fällen wird diese Übersättigung durch das Aufsteigen warmer Luftmassen verursacht, die in der Höhe abkühlen. Dies geschieht durch Konvektion, orographische Hindernisse oder Fronten.
|
text: Marie Monier - Université Blaise Pascal de Clermont Ferrand / France
supported by: Klaus Gierens from DLR, who wrote a big part of the humidity paragraph
reviewing and corrections: Prof. Andrea Flossmann - Clermont Ferrand
translation and animations: Elmar Uherek - MPI Mainz / Germany
last update: 1/13/2002
|
*
*
*
*
*
*
*
*

*
*
*
*
*
*
*
*

*
*
*
*
*
*
*
*

*
*
*
*
*
*
*
*

*
*
*
*
*
*
*
*

*
*
*
*
*
*
*
*

*
*
*
*
*
*
*
*

*
*
*
*
*
*
*
*

*
*
|